Ich habe Neurodermitis ohne Arzt und ohne strikte Diät geheilt
Updated: Oct 11

Als mein damaliger behandelnder Arzt antwortete, dass ich „keine Türen öffnen solle, die verschlossen sind“, als ich ihn fragte, ob Neurodermitis auch etwas mit meiner Psyche zu tun haben könnte, habe ich meine Therapie mit ihm im Stillen beendet. Und ja, wahrscheinlich hätte mir das Öffnen der Türen viel Arbeit erspart. Aber ich habe sie geöffnet und bin frei von Neurodermitis. Ohne Doktor, ohne Verzicht auf Nahrungsmittel und ohne Kortison.
Mein Arzt wollte auf der Oberfläche bleiben und mit einer Creme nach der anderen meine Haut nur oberflächlich behandeln. Zu dem Zeitpunkt war meine Haut schon so dünn und ich so erschöpft, dass ich nicht mehr weiterwollte. Meine innere Stimme sagte mir immer, dass die Botschaft tiefer ist als die Oberfläche der Haut, und so ging ich alleine auf die Reise nach innen.
Mein Heilungsweg dauerte Jahre und nach Besserungen gab es immer wieder Rückschläge, die mich irgendwann ernsthaft glauben liesen, dass meine Haut nie wieder eczemfrei sein wird.
Bereits das letzte Jahr vor dem tatsächlichen verschwinden der Symptomatik war meine Haut schon viel besser. Aber nicht 100% frei von Neurodermitis. Und irgendwann dann aber ging es, so schnell wie es kam. Nachdem ich mich Jahre damit beschäftigt hatte, Ruhe in mein System zu bringen, kam der Plot Twist. Die Neurodermitis ging zu einem Zeitpunkt, in dem mein Leben tatsächlich sehr turbulent war. Ich heilte nicht, als alles in Ordnung und sicher und set war, sondern mitten im Umbruch.
Nachdem ich die Arbeit damals mit meinem Arzt beendet hatte, habe ich gelernt, dass Neurodermitis mit einer Überlastung des Nervensystems zusammenhängt. Deshalb war lange der Fokus, mein Leben "entspannt" zu gestalten. Und in meinen Rythmus zu finden. Und ich glaube das alles war wichtig. In die Entspannung zu finden, um überhaupt zu beginnen zu hören was der Körper sagt. Dann der eigene Rythymus, um wahrzunehmen, was man eigentlich will und wie man funktioniert, abseits von dem, was die anderen sagen.
Aber mein Weg hat mir gezeigt, dass Heilung nicht dann stattfindet, wenn alles ruhig ist, sondern wenn das System gelernt hat, wie es sich reguliert. Ich habe immer geglaubt, dass wir mit einem gesunden Körper standhalten und dass ich eigentlich essen kann, was ich möchte. Denn ich bin gesund. Nur mein Körper kämpft gegen etwas, das ich nicht in Worte fassen kann. Und wenn der Körper kämpft, gibt es die Kapazität, Stress standzuhalten, nicht. Meine Arbeit beginnt damit, Kapazität im Nervensystem zu schaffen. Ihm wieder zur Regulation zu verhelfen, um dann in die Ruhe – auch wenn es draußen stürmt – zu kommen.
Jede Neurodermitis-Geschichte ist individuell. Aber ich will drei Impulse mit dir teilen, die retrospektiv wirklich entscheidend für mich waren.
Deine Umgebung
Wir bestehen aus Wasser, wir sind Natur. Ein veränderter Blick darauf ließ mich meine Umgebung ganz anders wahrnehmen. Ich habe irgendwann begonnen, Chemikalien aus meiner Umgebung zu entfernen. Begonnen beim Putzmittel, Waschmittel und Zusatzstoffen in der Nahrung. Auch Menschen um dich herum formen deine Umgebung. Wir sind alle Energie und spürende Wesen. Und auch wenn wir das im Laufe des Erwachsenwerdens vergessen, spüren wir uns in einem Raum. Schau dir dein Zuhause an. Gegenstände, die Stadt, in der du wohnst, und spüre ehrlich, ob es dich belebt, dir Sicherheit gibt oder klein hält.
Körperarbeit
Unser Körper trägt Geschichten, die nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Auch wenn alles in Ordnung scheint, kann der Körper kämpfen. Für mich war Körperarbeit der Schlüssel, um meinem System in die Regulation zu helfen und Kapazität zu schaffen. Unser Geist kann rational die Antwort auf alles haben, aber der Körper handelt anders. Das kennst du vielleicht, wenn du eigentlich weißt, was gut für dich ist und du es trotzdem machst. Oder wenn du Emotionen oder Ängste spürst, von denen du weißt, dass es nicht deine sind. Unverarbeitete Gefühle sorgen im Körper für das, was ich Körperchaos nenne. Dann treffen wir Entscheidungen aus Angst, aus Gewohnheit oder Sicherheit – aber nicht unbedingt welche, die gut für uns sind. Körperarbeit hilft, diese Emotionen im Körper zu verarbeiten und ihnen einen Ausweg zu geben, sodass sie deinen Körper nicht länger regieren. Unverarbeitete Emotionen können sich übrigens auch in diffusen Körperschmerzen ausdrücken. Oder eben in Symptomatiken wie Neurodermitis, Migräne oder Akne.
Darmgesundheit und Nahrungsergänzung
Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle in der Heilung. Nahrungsergänzung ist ein großes Thema, bei dem jede Person individuell schaut, was im Körper gebraucht wird. Für mich waren es Enzyme, die den Darm von sehr alten Ablagerungen reinigten. Knochenbrühe war lange Zeit mein flüssiges Gold. Für mich hat es eine gezielte Quelle an Kollagen gebraucht, denn dadurch, dass ich meine Haut immer wieder aufgekratzt habe, wurde in meinem Körper eine erhöhte Menge an Kollagen gebraucht, die er selber nicht so bilden konnte. Ich habe mich einige Zeit gegen die Nahrungsergänzung gewehrt, aber als ich mich gezielt damit versorgte, war spürbar, wie mein Körper im Mangel war. Bei Symptomatiken wie Neurodermitis leistet der Körper Überstunden und kämpft mit Entzündungen. Stelle dir vor, du arbeitest permanent und zuhause wartet jemand auf dich, der dich mit extra Energie versorgt.
Eine Sache zum Abschluss, von der ich überzeugt bin: Du wirst nicht im selben Umfeld heilen, in dem du krank geworden bist. Wenn dein Körper Krankheitssymptome zeigt, braucht es Veränderung auf irgendeiner Ebene und Veränderung ist mit Arbeit verbunden. Nichts wird sich ändern, wenn alles so bleibt, wie es ist. Wir können Neurodermitis nicht betrachten, ohne das Nervensystem miteinzubeziehen. Um für Veränderungen wirklich einzustehen und die Energie für Entscheidungen aufzubringen, die außerhalb des Gewohnten liegen, brauchen wir ein Nervensystem, das diese Veränderungen tragen kann. Eines, das uns die Kapazität gibt, neue Wege zu gehen, auch wenn sie unsicher sind, und für das einzustehen, was sich richtig anfühlt.



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